Andachten

Andacht

Andacht 07.01.2019

07. Januar 2019 | Johannes Fiedler

Andacht 07.01.2019

Bildnachweis: ig3l / photocase.de

Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen.

Das sind schon eigenartige Empfehlungen, die der weise Salomo hier weitergibt. Wie dankbar bin ich, mit Verstand ausgestattet zu sein, um schwierige Aufgaben meistern und – gelegentlich – gute Entscheidungen treffen zu können. Und manchmal wünschte ich mir heimlich, dass der gesunde Menschenverstand hier und da mehr zum Zuge gekommen wäre.
Wenn Salomo dem Verstand als letzter Instanz misstraut, dann schaut er wohl auf eigene Erfahrungen zurück. Da gab es viel kluges und geschicktes Taktieren; aber das bewahrte ihn nicht vor Fehlentscheidungen.
Wer nur seinem Verstand vertraut, wird zu ähnlichen Ergebnissen kommen wie der hochgeachtete frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt. Kurz vor seinem Tod stellte er in einemInterview fest: „Ich glaube nicht an die Götter, ich glaube nicht an den Gott. Ich glaube an die Ratio.“ Konsequenterweise fügte er dann hinzu: „Was bleibt von uns, sind Moleküle und Atome, und daraus wächst ein neues Leben auf der Wiese, Unkraut oder was anderes.“ Wer also an die Ratio glaubt, lebt und stirbt mit eher bescheidenen Zukunftsaussichten: Unkraut oder was anderes.
Der Vorschlag, den Salomo macht, scheint da etwas weiter zu reichen. Meint er doch zuerst einmal: „Lebe und denke nicht nur in den engen Grenzen, die dein Verstand abstecken und überschauen kann. Für ein erfülltes und zukunftsfähiges Leben braucht es mehr!“ Deshalb lässt Salomo hier einen Gedanken anklingen, der schon seinem Vater David geholfen hatte, als der weniger von seinem Verstand denn von seinen Gefühlen fehlgeleitet worden war: „Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten.“ (Ps 32,8) Das klingt doch sehr nach einer himmlischen Navigationshilfe für mein Leben und nach einem Ziel, das weit über „Unkraut oder was anderes“ hinausreicht.
Wie dankbar bin ich Gott für dieses Angebot, das allen gilt, die sich in schwierigen Situationen an ihn wenden und seiner Führung vertrauen, auch heute!

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