Andachten

Andacht

Andacht 16.01.2019

16. Januar 2019 | Thorsten Hentschke

Andacht 16.01.2019

Bildnachweis: mathias the dread / photocase.de

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.

Ich war noch ein junger Bursche und gerade mit meiner Ausbildung fertig, da brach der Zweite Golfkrieg aus, – ungefähr vor 27 Jahren. Wie viele andere war ich besorgt über die weitere Entwicklung. Ein Kollege, ein gläubiger Methodist, sagte zu mir: „Junge, das ist Harmagedon, das Ende der Welt!“ Heute kann ich fragen: „Habe ich etwas verpasst?“ Wie wir alle wissen, war dies nicht das Ende, sondern eher erst der Anfang des ganzen Terrors. Gottes Reich ist noch nicht da, bislang regieren die menschlichen Reiche. Darum bitten wir: „Dein Reich komme.“
Wissen wir, was wir da beten? Dieses Gebet besteht nur aus drei Worten und doch sind das
drei Worte, welche die Welt umstürzen.
Der Theologe Rudolf Bohren sagte einmal: „Wenn wir diese drei Worte recht beten, haben wir mehr getan als alle Atomphysiker der Welt; haben mehr Macht als alle Diktatoren und Strategen dieser Erde. Ja, wenn wir das nicht nur plappern, sondern wirklich beten könnten: ‚Dein Reich komme‘!“ Da bitten wir zunächst einmal: „Mein Reich vergehe“, mein menschliches Reich. Jeder hat„sein Reich“. Die Hausbesitzer, die ihr Heim hegen und pflegen: ihr Reich! Die Krankenschwester, die im Stationsbüro Bilder an die Wand hängt: ihr Reich! Der Patient, der im Krankenhaus sein Nachttischschublädchen aufmacht: sein Reich!
Jeder Mensch hat sein Reich, ob groß oder klein, seinen Lebensraum, in dem er regiert, in dem er mächtig ist: groß im Organisieren, groß im Pflegen, groß im Befehlen, groß in der Bescheidenheit. Es gibt viele Reiche. Und darum beten viele von uns mit dem Mund „Dein Reich komme“, aber mit dem Herzen beten sie „Nein, mein Reich bleibe!“ Wenn das Reich Gottes kommt, dann hört mein Reich auf. Dann bleibt bei uns nicht mehr alles beim Alten, sondern dann wird es neu. Ganz neu sogar!

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