Andachten

Andacht

Andacht 10.09.2019

10. September 2019 | Elí Diez-Prida

Andacht 10.09.2019

Bildnachweis: Katarzyna Wendt

Wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende.

Wie peinlich! Das Wasser stand bereit, die Schüssel auch, das Handtuch ebenfalls. Aber wo war der Sklave? Jeder schaute verlegen weg. Warum ausgerechnet ich, der Pressesprecher? Oder: Ich, als zukünftiger Finanzminister? Kommt nicht infrage!
„Wie er die Seinen geliebt hatte … so liebte er sie bis ans Ende.“ Bis ans Ende heißt: Jesus tat das Äußerste. Er legte seinen Umhang ab, band sich ein Tuch um und fing an, seinen Jüngern die Füße zu waschen. Auch Judas. Es war das Äußerste, was er für ihn tun konnte, um ihm seine Liebe zu beweisen.
Jesus ging in seiner Liebe bis an die Grenze. Aber wo liegt denn die Grenze der Liebe Gottes? Wenn ich sehe, wie weit er seinen Jüngern gegenüber zu gehen bereit war, dann kann ich nur staunen und sagen: Jesu Liebe ist grenzenlos! Ja, Jesu Liebe ist grenzenlos – was Gott betrifft. Das heißt, die Grenze, das Ende setzen wir. Denn so mächtig die Liebe Gottes auch ist, auf eines verzichtet Gott freiwillig und aus Liebe zu uns, nämlich darauf, Zwang auszuüben.
Jesus liebte Judas bis zum Äußersten, aber er zwang ihn nicht zur Umkehr. Judas entschied sich dagegen. Somit war Gottes Liebe auch am Ziel. Bis ans Ende heißt auch: bis ans Ziel (télos bedeutet beides: Ende und Ziel). Das Ziel Gottes ist nicht dann erreicht, wenn alle Menschen im Himmel sind – ob sie dorthin wollen oder nicht! Das Ziel der Liebe Gottes ist dann erreicht, wenn jeder Mensch sich für Jesus entscheiden konnte – oder gegen ihn. Diese Entscheidung muss aber bewusst und freiwillig fallen; denn nur wo Freiheit ist, kann sich Liebe entfalten.
Die Fußwaschung ist nicht nur ein Beweis der Liebe Jesu, sondern auch seiner Größe. Wie brachte er es fertig, diesen Dienst, vor dem sich jeder drückte, gern und freiwillig zu übernehmen? Die Antwort steht im Text: Weil er wusste, „dass ihm der Vater alles in seine Hände gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott.“ (V. 3).
Deine Identität erhältst du nicht durch Leistung oder Erfolg. Du findest sie darin, dass du weißt: Ich komme von Gott und ich gehöre ihm. Wenn du das weißt, dann hast du es nicht mehr nötig, dich mit anderen zu vergleichen, den Großen zu spielen. Dieses Wissen schafft Persönlichkeiten, die das Salz der Erde sind!

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