Andachten

Andacht

Andacht 12.09.2019

12. September 2019 | Werner Jelinek

Andacht 12.09.2019

Bildnachweis: Katarzyna Wendt

Habt ihr denn vergessen, dass euer Körper ein Tempel des Heiligen Geistes ist?

Eine Motivationstrainerin wurde gefragt, wie zufrieden sie mit ihrem Aussehen sei. Ihre Antwort: „Diese Frage ist der direkte Weg ins Unglück! Sie bringt Menschen dazu, sich anhand einer Schönheitsnorm zu beurteilen. So gefragt, wird jeder aufzählen, was ihm an sich missfällt.“ Der Schönheitsterror schafft unglückliche Menschen, denn Leibpflege ist zwar wichtig, Körperkult aber gefährlich: Aus einem Mops wird nun einmal kein Windhund. Ja, es stimmt: „Alle Not kommt vom Vergleichen.“ (Søren Kierkegaard)
Der Andachtstext fragt, ob der Leser denn vergessen habe, wie wertvoll sein Leib sei. Matthias Claudius hatte das jedenfalls nicht. In einem seiner Gedichte sagte er: „Ich danke Gott, und freue mich / Wie’s Kind zur Weihnachtsgabe, / Daß ich bin, bin! Und daß ich dich, / Schön menschlich Antlitz! habe.“
Dabei war Claudius kein arroganter Schönling. Er wusste: Schönheit ist natürlich; keine Schande, aber auch kein Verdienst, sondern ein Geschenk. Sein Gedicht überschrieb er mit den Worten „Täglich zu singen“. War dem Dichter bewusst, wie schnell Gottes Wertschätzung für unseren Körper übersehen und verdrängt werden kann? „Täglich zu singen“ – das klingt beinahe wie Medizin, die dreimal täglich einzunehmen ist.
Gott würdigt unseren Leib so sehr, dass sein Geist bereit ist, darin zu wohnen. So erhält unser Körper seine Würde. Eine höhere Wertschätzung, als ein Tempel Gottes zu sein, gibt es nicht! Doch manchmal kann ich mich bestenfalls als Tempelruine sehen. „Der Mensch wird schließlich und mangelhaft. Die Locke wird hinweggerafft“, schrieb Wilhelm Busch. Dann aber beschämen mich Menschen, die viel Leid ertragen müssen und trotzdem daran festhalten, dass Gott sie wunderbar gemacht hat. Zum Glück lautet der erwähnte Bibeltext nicht: „Habt ihr denn vergessen, dass euer Leib bis höchstens Mitte dreißig ein Tempel des Heiligen Geistes ist?“
Heute schon einen Tempel bewundert? Nein? – Dann blick in den Spiegel und sprich so laut, dass du’s verstehst: „Ich bin unendlich wertvoll.“
Mach dir klar: Das ist kein Scherz, das ist keine Einbildung. Diese Aussage ist gesichert durch das „Gütesiegel“ dessen, der dich geschaffen hat.

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